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LINGUIST List 20.1632

Tue Apr 28 2009

Calls: General Ling, Ling & Literature, Philosophy of Language/Germany

Editor for this issue: Elyssa Winzeler <elyssalinguistlist.org>


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        1.    Lisanne Ebert, Emotionale Grenzgänge

Message 1: Emotionale Grenzgänge
Date: 28-Apr-2009
From: Lisanne Ebert <languagetalks1lrz.uni-muenchen.de>
Subject: Emotionale Grenzgänge
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Full Title: Emotionale Grenzgänge
Short Title: languagetalks

Date: 08-Oct-2009 - 10-Oct-2009
Location: München, Germany
Contact Person: Nari Huwe Lisanne Ebert
Meeting Email: languagetalks2lrz.uni-muenchen.de

Linguistic Field(s): General Linguistics; Ling & Literature; Philosophy of Language

Call Deadline: 15-Jul-2009

Meeting Description:

Emotionale Grenzgänge: Konzeptualisierungen von Liebe, Trauer und Angst in
Sprache und Literatur

Datum: 8. bis 10. Oktober 2009
Ort: LMU München
Organisation: ProLit und LIPP
Geladene Referenten:
-Prof. Dr. Fiehler (Linguistik),
-Prof. Dr. Anz (Literaturwissenschaft),
-PD Dr. Lüdtke (Sprachpädagogik und Sprachtherapie),
-Dr. Mikko Salmela (Philosophie)

Im Fokus dieser Tagung soll die Wechselwirkung und gegenseitige Bedingtheit von
Sprachlichkeit und Emotion stehen. In diesem Zusammenhang lassen sich folgende
grundlegende Fragen formulieren:

Existieren Emotionen ohne Sprache?
Wie wird Sprache von Emotionen geprägt?
Wie können Emotionen durch Sprache zum Ausdruck gebracht werden?

Vor diesem Hintergrund interessieren wir uns besonders für Schnittstellen
zwischen Sprache und Literatur.

Grenzsituationen sind mit Karl Jaspers ein wesentliches Moment des menschlichen
Daseins. Es sind Erfahrungen, in denen gewohnte Problemlösungsverfahren,
Denkmuster und Orientierungsmöglichkeiten und bisweilen auch menschliches
Sprachvermögen, -versagen. Das daraus erfolgende Zurückgeworfensein auf die
eigene Endlichkeit und physische Verfasstheit birgt gleichzeitig auch die
Möglichzeit einer Transformation von Subjekten und/oder Gesellschaften. Als
Momente dessen, was am Rande des Menschlichen erfahrbar ist, verweisen
Grenzsituationen implizit auf die Grenzen gesellschaftlicher und individueller
Rationalität, und dergestalt rückt durch diese Phänomene insbesondere
Emotionalität in den Vordergrund. Erfahrungen wie Liebe, Angst und Trauer
stellen eben solche Grenzphänomene dar. Sie erscheinen aus
literaturwissenschaftlicher und linguistischer Perspektive besonders relevant,
weil hier die wechselseitige Verschränkung von Sprachlichkeit und Emotionalität
besonders deutlich wird. Von Interesse ist hierbei unter anderem, wie
Grenzerfahrungen verarbeitet und mitgeteilt sowie ästhetisch dargestellt und
damit vermittelt werden können, und welche Wirkungen dadurch ausgelöst werden.

Im Fokus der Tagung soll die Wechselwirkung und gegenseitige Bedingtheit von
Sprachlichkeit und Emotion stehen, insbesondere auch das Spannungsverhältnis
zwischen konventionalisierten und/oder ritualisierten sprachlichen Formen und
der Unmittelbarkeit der emotionalen Grenzerfahrung. In diesem Zusammenhang
lassen sich folgende grundlegende Fragen formulieren: Existieren Emotionen ohne
Sprache? Wie wird Sprache von Emotionen geprägt? Wie können Emotionen durch
Sprache zum Ausdruck gebracht werden?

Liebe als emotionales Grenzphänomen stellt insofern ein Paradoxon dar, als die
in der Liebe erfahrene Selbstentäußerung sowohl Lust als auch Leid, Freude oder
Schmerz erzeugen kann. Das Überwältigende dieses Gefühls wird in Abhängigkeit
von kulturellen und historischen Rahmenbedingungen positiv oder negativ
gewertet, wobei Liebe zwischen Erfüllung und Aufschub oszilliert.

In den Beiträgen könnte es z. B. um folgende Aspekte gehen:
- Wie wird emotionale Hingabe artikuliert? Welche sprachlichen Strategien werden
dabei verwendet, um die liebende Unmittelbarkeit zum Ausdruck zu bringen?
- In welcher Form wurde platonische, (emotional und physisch) erfüllte,
enttäuschte oder gar religiöse Liebe ästhetisch fruchtbar gemacht?
- Welche Rolle spielen (genderspezifische) Verhaltenskodices sowie Tabus in der
sprachlichen Kodierung von Liebe?
- Inwiefern werden durch die emotionale Identifizierung des Selbst mit dem
Anderen Grenzen der Wahrnehmung und Rationalität überschritten?

Trauer als emotionales Grenzphänomen kann als Auseinandersetzung mit einem
Verlust verstanden werden. Sie bewegt sich zwischen Schmerz und Ohnmacht, Wut
und Hilflosigkeit, zwischen Vergangenheit und (genommener) Zukunft. Was
betrauert werden darf und wie getrauert werden soll, ist dabei kulturell bedingt.

In den Beiträgen könnte es z. B. um folgende Aspekte gehen:
- Trauer im Spannungsfeld zwischen Intimität und Öffentlichkeit: Welche
rituellen oder konventionalisierten sprachlich-literarischen Ausdrucksformen von
Verlusterfahrung gibt es? Wie tragen gerade diese konventionalisierten Formen
zur persönlichen und/oder kollektiven Verarbeitung eines Verlustes bei?
- Welche Funktionen hat das Schweigen als spezifischer Trauerausdruck im
Spannungsfeld zwischen innerem Erleben und äußerem Mitteilen? Inwieweit wirft
Schweigen als emphatischer Artikulationsmodus zugleich auch Fragen nach der
(Un-)Übersetzbarkeit von Trauer auf?
- Welche sprachlich-ästhetischen Möglichkeiten entfalten sich im Verlauf des
durch den Verlust ausgelösten Prozesses, vom auslösenden Ereignis über
Verdrängung hin zur Verarbeitung? Wie lässt sich die spezifisch literarische
Trauerkompetenz erfassen?

Angst als emotionales Grenzphänomen ist eine Reaktion auf eine fundamentale
Bedrohung der eigenen Existenz, sei sie subjektiv empfunden oder objektiv
gegeben. Die Angsterfahrung befindet sich im Spannungsfeld zwischen diffus-
chronisch und gerichtet-punktuell. Gesellschaftlich kodiert ist dabei die Frage,
wovor man Angst haben kann und muss, und wie damit umgegangen wird.

In den Beiträgen könnte es z. B. um folgende Aspekte gehen:
- Aus welchen Quellen bezieht das Motiv Angst seine Faszination und wie wird es
in verschiedenen Epochen und Genres sprachlich umgesetzt?
- Wie erfolgt die Darstellung der reflexiven und verkörperten Angst? Welche
Phasen des sprachlichen Ausdrucks von Angst gibt es?
- Angst gilt als starkes Mittel in der Kontrolle und Führung von Menschen, ist
somit elementar in Politik und Religion verankert. Wie wird Angst sprachlich
hervorgerufen? Wie werden die verschiedenen Formen der 'er-lesenen' und erlebten
Angst sprachlich realisiert und verarbeitet?


Die Tagung richtet sich in erster Linie an DoktorandInnen und Postdocs.
Besonders willkommen sind Beiträge, die thematisch und methodologisch
disziplinübergreifend angelegt sind und an der Schnittstelle von Sprache und
Literatur arbeiten. Abstracts (max. 300 Wörter in Pdf- oder Word-Format) zu
einem 20-minütigen
Vortrag können bis zum 15. Juli 2009 mit dem Betreff Abstract Emotionale
Grenzgänge an folgende Mailadresse gesandt werden: languagetalks2lrz.uni-
muenchen.de Die BewerberInnen werden bis zum 1. August 2009 verständigt.

Zu beachtende Bewerbungsformalia für den Abstract:
a) Titel
b) Name, Kontakt des Erstautors, sowie Co-Autor(en)
c) Fachbereich und Institution
d) Abstract (max. 300 Wörter)
e) Schlagwörter erwünscht

Die Teilnahmegebühr an der Konferenz beträgt 30 euro.

Weitere Informationen finden Sie auf unserer Homepage: www.lmu.de/languagetalks

Ansprechpartner Organisatorisches:
Fabienne Imlinger: languagetalks1lrz.uni-muenchen.de

Ansprechpartner Inhaltliches:
Nari Huwe: languagetalks2lrz.uni-muenchen.de

Eine Veröffentlichung ausgewählter Beiträge ist im Anschluss an die Tagung geplant.
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