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LINGUIST List 20.3925

Mon Nov 16 2009

Calls: Discourse Analysis, Morphology, Syntax, Semantics/Germany

Editor for this issue: Kate Wu <katelinguistlist.org>


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        1.    Jörg Bücker, Die Konstruktion als Kulturelle Einheit (ALP 2010)

Message 1: Die Konstruktion als Kulturelle Einheit (ALP 2010)
Date: 13-Nov-2009
From: Jörg Bücker <bueckerjuni-muenster.de>
Subject: Die Konstruktion als Kulturelle Einheit (ALP 2010)
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Full Title: Die Konstruktion als Kulturelle Einheit (ALP 2010)

Date: 23-Feb-2010 - 23-Feb-2010
Location: Humboldt-Universität, Berlin, Germany
Contact Person: Jörg Bücker
Meeting Email: bueckerjuni-muenster.de
Meeting URL:http://www.alp-tagung.de/

Linguistic Field(s): Discourse Analysis; Morphology; Pragmatics; Semantics; Syntax

Call Deadline: 14-Dec-2009

Meeting Description:

Seit den späten Achtzigerjahren ist die Konstruktion als linguistische Einheit
immer stärker in den Aufmerksamkeitsbereich linguistischer Forschung gerückt.
Basis der Konstruktions-Auffassung ist die Beobachtung, dass in vielen
sprachlichen Ausdrücken die Bedeutung nicht über die einzelnen in der Äußerung
vorkommenden Wörter, also kompositional, ermittelbar ist, sondern dem gesamten
Ausdruck ein Symbolcharakter im Sinne einer konventionalisierten
Form/Funktions-Korrelation (Croft/Cruse 2004, Feilke 1996, Goldberg 1995, 2006)
zugeschrieben werden kann. Neue Perspektiven hat hier insbesondere die
Konstruktionsgrammatik eröffnet, die den Begriff der so definierten Konstruktion
für die Analyse und Beschreibung sprachlicher Phänomene in den Mittelpunkt
stellt. Die Bedeutung einer Konstruktion ist allerdings vielfach nur im Rahmen
ihrer Äußerungsbedingungen, also des sozio-kulturellen Umfelds zu verstehen.
Sowohl die Form von Konstruktionen als auch ihre Bedeutung verändern sich im
Laufe der Zeit; auch treten neue Konstruktionen auf: Sprache unterliegt
ständiger Variation.

In jüngster Zeit wird der Begriff der Konstruktion nicht mehr ausschließlich auf
die klassischen Gegenstandsbereiche der Konstruktionsgrammatik wie zum Beispiel
Argumentstruktur-Konstruktionen bezogen. Der Begriff der Konstruktion ist
bezüglich seines Umfangs prinzipiell offen; er ermöglicht daher den Einbezug
kultureller Rahmeninformation in die Beschreibungen. Sowohl Bestandteile von
Wörtern (Morpheme) als auch Wortverbindungen (Sätze, Ausdrücke) und selbst
größere sprachliche Einheiten wie eine Redewendung, ein Text oder ein Dialog
können mit den Begriffen der Konstruktionsgrammatik beschrieben werden. Dass
eine Ausweitung auf solche Einheiten funktioniert, zeigt etwa Günthner (2006)
für kommunikative Gattungen sowie Östman (2005) für Textsorten und
Dialogsequenzen. Die Charakterisierung der Konstruktion als
linguistisch-soziokulturelle Einheit erinnert dabei an ein viel diskutiertes
Konzept der Kulturtheorie, das Mem (Dawkins 1976). Ein Mem ist ein Element
kultureller Tradition, wie beispielsweise ein Musikstück oder eine
Modeerscheinung. Es ist in der Literatur umstritten, was genau als Mem gelten
soll und ob Kulturphänomene überhaupt in Einheiten zergliederbar sind. Ist schon
bei vielen Konstruktionen auf Wort-, Phrasen- oder Satzebene für deren
Beschreibung ein kultureller Eintrag notwendig, so gilt dies umso mehr für
Konstruktionen auf Text- oder Gesprächsebene. Der Membegriff könnte einen
möglichen Ansatzpunkt bereitstellen, um den Kulturbegriff für den
Konstruktionen-Ansatz zu operationalisieren.

Vor diesem Hintergrund hat es sich die ALP 2010 zum Ziel gesetzt,
grundsätzlichen Fragestellungen zur Schnittstelle zwischen dem linguistischen
Konzept Konstruktion und dem für ihre Beschreibung notwendigen soziokulturellen
Hintergrundwissen nachzugehen. Die Leitfrage der ALP lautet dabei: Welche Rolle
spielen soziokulturelle Faktoren bei der Beschreibung einer Konstruktion? Wir
erhoffen uns Beiträge zu den folgenden Themen, sind aber offen für weitere
spannende Vorschläge zum Rahmenthema:
1. Beschreibung von Konstruktionen nach linguistischen und soziokulturellen
Kriterien.
2. Beschreibung der Semantik von Konstruktionen unter Berücksichtigung des
pragmatisch-kulturellen Gehalts sowie der prinzipiellen Offenheit und
Aushandelbarkeit von Bedeutungen.
3. Beschreibung von Variation und Wandelerscheinungen bei Konstruktionen und
Diskussion der Frage, inwiefern diese als Beispiele (sozio-)kultureller
Evolution angesehen werden können.

Call for Papers

Wenn Sie einen Vortrag halten möchten, senden Sie uns einen Vorschlag mit Titel
und Abstract bitte bis zum 14. Dezember 2009 an 'bueckerjuni-muenster.de'.
Anmeldungen ohne Abstracts werden auch unter dieser Adresse entgegen genommen.
Die Tagungsgebühr beträgt EUR 15. Das Tagungsprogramm wird bis zum 15. Januar
2010 zusammengestellt.

Tagungsorganisation:
- Jörg Stefan Bücker, Universität Münster: bueckerjuni-muenster.de
- Elke Diedrichsen, Universität Münster: edied_01uni-muenster.de
- Wolfgang Imo, Universität Münster: wolfimouni-muenster.de
- Tilo Weber, University of Nairobi: tilo.weberweb.de

Einzelheiten zu den Beiträgen / zur Einreichung von Vorschlägen:
- Deadline für das Einreichen von Abstracts: 14.12.2009
- Länge der Abstracts: 400 Wörter; exklusive Literaturangaben
- Bekanntgabe des Tagungsprogramms: 15.01.2010
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