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Edited by Justyna Olko & Julia Sallabank

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Review of  Textlinguistik


Reviewer: Dominique Dias
Book Title: Textlinguistik
Book Author: Nina Janich
Publisher: Narr Francke Attempto Verlag GmbH + Co. KG
Linguistic Field(s): General Linguistics
Text/Corpus Linguistics
Subject Language(s): German
Issue Number: 31.1137

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ABSTRACT in English

The volume “Textlinguistics: 15 Introductions and a Discussion”, edited by Nina Janich, Professor of German Linguistics (TU Darmstadt, Germany), is the final product of a lecture series at the University of Darmstadt in 2006/2007. The book is primarily intended for students and offers an overview of the various approaches to textlinguistics. This is actually the second updated and extended edition. Compared to the first edition in 2008, a new chapter has been added. Several chapters have been partially updated.

The 16 chapters can be divided into four parts. The first part appeals to define basic orientations with two contributions: The concept of text is discussed, as is the relationship between text linguistics and discourse linguistics. The second part aims to provide insights into various scientific approaches. The third part “Text production and text reception” contains six contributions in which the respective authors examine the concept of text, orally or in writing, and in connection with the communication participants. The last part deals with relatively new approaches to text linguistics, such as hypertext linguistics or computational linguistics, which have emerged because of the development of new technologies.

The book is a kind of anthology that is particularly recommended for students. The different approaches that are explained may be sometimes redundant or show differences between the authors but they are part of the history of text linguistics. One of the great achievements of this volume is without a doubt that it builds bridges between the theories of the last forty years and the new research questions.

SUMMARY – Aufbau und Inhalt des Buches

Das Studienbuch Textlinguistik, „15 Einführungen und eine Diskussion“, herausgegeben von Nina Janich, Professorin für deutsche Sprachwissenschaft (TU Darmstadt), entstand aus einer Ringvorlesung an der Universität Darmstadt im Wintersemester 2006/2007. Das Buch wendet sich vor allem an Studierende und bietet einen Überblick über die verschiedenen Ansätze der Textlinguistik. Es handelt sich hier eigentlich um die zweite aktualisierte und erweiterte Auflage. Im Vergleich zur ersten Auflage 2008 wurde ein neues Kapitel hinzugefügt. Mehrere Kapitel wurden teilweise aktualisiert und vor allem die kommentierten Literaturtipps am Ende der verschiedenen Kapitel auf den neuesten Stand gebracht.

Das Buch ist kein Sammelband im traditionellen Sinn und versteht sich eher als eine Art Sammeleinführung in die Textlinguistik. Die insgesamt 16 Kapitel lassen sich in vier Teile gliedern. Im ersten Teil werden anhand von zwei Beiträgen „grundlegende Orientierungen“ definiert: Der Textbegriff im Rahmen der Textlinguistik wird insbesondere diskutiert, sowie die wechselseitige Beziehung zwischen Textlinguistik und Diskurslinguistik. Der zweite Teil „Forschungsansätze der Textlinguistik im Einzelnen“ beabsichtigt, wie der Titel es schon suggeriert, Einblicke in verschiedene wissenschaftliche Herangehensweisen zu eröffnen. Der dritte Teil „Textproduktion und Textrezeption“ umfasst sechs Beiträge, in denen die jeweiligen Autorinnen und Autoren den Textbegriff, mündlich oder schriftlich, im Zusammenhang mit den Kommunikationsteilnehmern unter die Lupe nehmen. Der letzte Teil „Textlinguistik und neue Medien“ befasst sich mit relativ neuen Ansätzen der Textlinguistik, wie die Hypertextlinguistik oder die Computerlinguistik, die durch die Entwicklung der neuen Technologien entstanden sind.

Im ersten Kapitel „Text und Textlinguistik“ fungiert der Beitrag von Ulla Fix (Universität Leipzig) als eine Art Einführung des Sammelbands. Sie weist zuerst auf die Geburtsstunde der Textlinguistik hin, die sie im Rahmen der sogenannten „pragmatischen Wende“ Ende der sechziger Jahre ansiedelt. Sie erinnert dabei an ein berühmtes Zitat von Peter Hartmann (1968): „Es wird, wenn überhaupt gesprochen wird, nur in Texten gesprochen“. Damit werde die Bedeutung der Einheit Text betont und ein Übergang von einer systemorientierten zu einer kommunikationsbezogenen Auffassung der Sprache eingeleitet. Die Entstehung und Entwicklung der Textlinguistik spiegele also die Entwicklung des Textbegriffs wieder, was Fix in ihrem Beitrag weiterdiskutiert. Angehend von den sowohl viel zitierten als auch viel kritisierten sieben Kriterien der Textualität von Beaugrande/Dressler (1981) versucht die Autorin eine Bilanz zu ziehen, indem sie diese Kriterien als offenes System auffasst. Am Ende ihres Beitrags ergänzt sie diese traditionellen Kriterien mit anderen Forschungsfragen wie der kulturellen Dimension von Textsorten, dem Zusammenhang zwischen Text und Stil oder der Frage nach der Multimedialität von heutigen Texten.

Das Kapitel 2 „Text und Diskurslinguistik“ von Ingo H. Warnke (Universität Bremen) gehört auch zum Teil „Grundlegende Orientierungen“. In diesem Beitrag wird der Textbegriff in Anbetracht der Diskurslinguistik erörtert. Für die Diskurslinguistik sei ein Textexemplar keine isolierte Einheit, sondern Teil eines größeren Kontextes. Der Diskurs sei insofern eine textübergreifende Struktur und die Diskurslinguistik solle von daher intertextuelle Verweise und wiederkehrende Muster erforschen. Rein theoretisch könne man zwischen einer textualistischen und einer epistemologischen Diskurslinguistik unterscheiden: Erstere beschreibe eher sprachliche Phänomene mit Methoden der Korpuslinguistik, während zweitere eher zeittypische Erscheinungen des Sprechens und Denkens einer Epoche analysiere. Warnke fasst am Ende seines Beitrags die Methode zusammen, die er 2008 zusammen mit Jürgen Spitzmüller entwickelt hat: die sogenannte Diskurslinguistische Mehr-Ebenen-Analyse, kurz DIMEAN. Die Textanalyse erfordere nach dieser Methode die Unterscheidung von einer intratextueller Ebene, einer Ebene der Akteure und einer transtextueller Ebene. Nur so könne der Text zugleich als sprachliche Einheit, als Kommunikationsphänomen und als Teil eines Diskurses verstanden werden.

In Kapitel 3 stellen Christina Gansel (Universität Greifswald) und Frank Jürgens „Textgrammatische Ansätze“ vor: Chronologisch gesehen hat die Textlinguistik ihren Ursprung in strukturell-grammatischen Textauffassungen der sechziger Jahre. Die Autoren gehen von einem knappen Umriss dieser ersten Phase der Textlinguistik aus, um zu zeigen, was die pragmatische Wende geändert hat. Sie stützen sich dabei auf die Habilitationsschrift von Roland Hartweg (1968), die den Textbegriff als eine pronominale Verkettung betrachtet. Im zweiten Teil ihres Beitrags bekennen sich die Autoren zu einer modernen Textgrammatik, die den Text auch als kommunikative Entität versteht. Anhand mehrerer konkreter Beispiele wie eine TV-Reportage oder handlungsanweisende Texte zeigen sie, welche Auswirkungen der Kontext auf den Aufbau eines Textes hat.

Das Kapitel 4 von Andreas Lötscher (Universität Basel) ist den „textsemantischen Ansätzen“ gewidmet und gilt also als Pendant zu Kapitel 3. Der Autor stellt die Frage der Kohärenz, d.h. die Frage nach den inhaltlichen Beziehungen zwischen den Sätzen und bezieht sich dabei auf das Isotopie-Konzept von Greimas: Ein Text sei kohärent, solange er Isotopien aufweise. Der Beitrag besteht zum Teil in einer Typologie von Formen der semantischen Kontiguität. Auf einer syntaktischen Ebene erwähnt Lötscher auch Formen von propositionalen Verknüpfungen und die vier Arten von Themenentfaltung von Klaus Brinker, die auch zu einer semantischen Kohärenz beitragen.

In Kapitel 5 „Textpragmatische und kommunikative Ansätze“ interessiert sich Wolfgang Heinemann (Universität Leipzig) für den Text als Produkt einer sozialen Interaktion. Eingangs kommt er auf die pragmatische Wende zurück und schildert in groben Zügen den Beitrag von der Semiotik von Peirce zur Sprachwissenschaft, das Organon-Modell von Bühler und die Sprechakttheorie von Austin. Es seien lauter Etappen in der grundlegenden Ausweitung des Gegenstandsbereichs der Linguistik. Die pragmatische Wende habe die Linguisten dazu gebracht, sich für einzelne Phänomene der gesprochenen Sprache zu interessieren. Deswegen schildert Heinemann die Grundkonzepte der Konversationsanalyse. Er betont dabei, dass die Intentionalität das wesentliche Merkmal der Textualität sei: ein Text werde nur erzeugt, um ein kommunikatives Ziel zu erreichen.

In Kapitel 6 „Textsorten und ihre Beschreibung“ befasst sich Kirsten Adamzik (Universität Genf) mit einem wichtigen Begriff der Textlinguistik. Der Ausdruck Textsorte sei ein Alltagsbegriff und insofern unverzichtbar. Seine wissenschaftliche Definition bleibe jedoch umstritten. Erst seit einem Kolloquium 1972 zum Thema Textsorte habe sich der Terminus durchgesetzt. Vorher habe man zusätzlich von Textklassen und Texttypen gesprochen. Die Autorin stellt die Frage nach den theoretischen Grundlagen einer Typologie. Manche Typologien scheitern daran, dass sie keine homogenen Kriterien selektieren oder dass eine Fülle von Kriterien nur eine bestimmte Ebene der Analyse berücksichtigen. Deshalb sei man zu Mehr-Ebenen-Klassifikationen gekommen. Adamzik kommt zum Schluss, dass Texttypologien nicht alle Textsorten ausführlich sortieren können. Sie dienen aber als ein Beschreibungswerkzeug, um den Textproduzenten und –rezipienten zu orientieren. In der 2018 aktualisierten Schlussfolgerung weist die Autorin darauf hin, dass der Begriff Textmuster statt Textsorten immer häufiger verwendet wird, insofern als er Texteigenschaften betrifft und die Existenz von Textschemata voraussetzt.

In Kapitel 7 „Intertextualität und Text(sorten)vernetzung“ beabsichtigt die Herausgeberin Nina Janich (TU Darmstadt), den 1967 von Julia Kristeva geprägten Begriff Intertextualität unter textlinguistischer Perspektive zu erklären. Ein Text sei nie eine isolierte sprachliche Erscheinung, sondern solle im Hinblick auf andere Texte produziert und rezipiert werden. Die Intertextualität wurde zwar von der Literaturwissenschaft viel erforscht, aber sie gehört auch zur Textlinguistik, zumal sie eines der sieben Kriterien der Textualität von Beaugrande/Dressler ist. Auf der Suche nach Parametern für eine systematische Beschreibung intertextueller Beziehungen führt Janich unter anderem die Theorien von Genette oder Tegtmeyer an. Sie hält textlinguistische Typologisierungsvorschläge der Intertextualität für vernachlässigt und sie warnt vor der Schwierigkeit der Aufgabe, denn intertextuelle Beziehungen finden auf mehreren Ebenen statt. Als Beispiel erwähnt sie Interferenzen zwischen Textsorten, ein Phänomen, das sie Textsorten-in-Vernetzung nennt. Intertextualität sei also ein ausschlaggebender Begriff für die Textsortenforschung.

Das Kapitel 8 „Mündlichkeit und Schriftlichkeit von Texten“ von Peter Koch (Universität Tübingen) und Wulf Oesterreicher (Universität München) bildet eine Einführung in ihre Theorie der Mündlichkeit und Schriftlichkeit. Sie unterscheiden eine mediale (graphisch/phonisch) von einer konzeptionellen Ebene (gesprochen/geschrieben). Daraus ergeben sich ein Kontinuum zwischen Mündlichkeit und Schriftlichkeit und konzeptionelle Abstufungen zwischen unterschiedlichen Kommunikationsformen. Eine Reihe von Parametern (Privatheit, Vertrautheit der Kommunikationspartner, referenzielle Nähe, Dialogizität, Spontaneität…) ermögliche eine Typologisierung der Kommunikationssituationen. Laut den Autoren seien die konzeptionellen und medialen Aspekte der Sprache Hinweise auf die kulturelle und historische Gestaltung der Kommunikation. Darum bevorzugen sie den Begriff Diskurstradition anstatt Textsorte.

Das Kapitel 9 „Mündliche Textproduktion: Informationsorganisation in Texten“ von Christiane von Stutterheim (Universität Heidelberg) und Wolfgang Klein (Max-Planck-Institut) ist der Sprachproduktion gewidmet. Die Autoren teilen diese sprachliche Aktivität in drei Hauptphasen: die Konzeptualisierung, die Formulierung und die Artikulation. Sprechen erfordere also eine neue konzeptuelle Repräsentation, die von einer zentralen Frage gesteuert werde. Die Autoren greifen auf den aus der Antike entlehnten Begriff der Quaestio zurück, um diese explizite oder implizite redeeinleitende Frage zu bezeichnen, die Konzeptualisierungsprozesse auslöst. Die Quaestio organisiere die Hauptstruktur des Textes nach bestimmten Mustern der Kohärenz. Die Autoren stützen ihre Gedankenführung mit Ergebnissen experimenteller Studien und zeigen dabei, inwiefern die Phase der Konzeptualisierung für die Textplanung ausschlaggebend ist.

Das Kapitel 10 „Schriftliche Textproduktion: Formulieren als Problemlösung“ von Gerd Antos (Universität Halle) knüpft an das vorherige Kapitel an, aber diesmal geht es um die schriftliche Textproduktion. In diesem Kapitel wird Textproduktion auch als Lösung einer kommunikativen Aufgabe aufgefasst. Antos fasst hier eigentlich seine Formulierungstheorie von 1982 zusammen. Um die kommunikative Aufgabe zu lösen, werden bestimmte Leistungen erfordert. Die Frage ist, worin diese Leistungen bestehen, und wie man sie erforschen kann. Die Textproduktion sei eine rekursive Bewegung und bestehe aus sogenannten Umformulierungsschritten. Anders gesagt: Ein Text sei keine vorgeformte Einheit, ein Text entwickle sich während des Prozesses der Textproduktion. Antos zählt sieben Formulierungsbarrieren auf, die Teil des Problemlöseprozesses seien.

In Kapitel 11 „Textproduktion und Kontext: Domänenspezifisches Schreiben“ zeigt Eva-Maria Jakobs (Universität Aachen) wie der berufliche Kontext die Textproduktion beeinflussen kann. Was die Methode angeht, empfehlt sie den Vergleich zwischen mehreren Textentwürfen, um die Textgenese und die Textplanung nachzuvollziehen. Jakobs identifiziert Spektren mit zwei gegensätzlichen Polen, um Textproduktionen im beruflichen Kontext zu analysieren, wie etwa einfach/komplex, formalisiert/individuell oder Standardaufgabe/Nichtstandardaufgabe. Übrigens seien Kulturräume und Domäne sozial-sprachlich und zeitlich geprägt. Sie prägen im Gegenzug Schreibkonventionen und Textsorten. So könne man je nach Kulturraum das Bestehen von verschiedenen Diskursmustern in vergleichbaren Domänen feststellen. Im Gegensatz dazu beobachte man auch Interferenzen zwischen den Kulturräumen, wie zum Beispiel die Ausbreitung amerikanischer Normen für die Berichterstattung nach 1945.

In Kapitel 12 „Kriterien der Textbewertung am Beispiel Parlando“ fragt sich Peter Sieber (Universität Zürich), was einen guten Text ausmacht und nach welchen Kriterien man einen Text bewerten kann. Ein guter Text solle nach Sieber einem Weg ähnlich sein, den Rezipienten von einem Punkt zum anderen bringen. Nach dieser metaphorischen Antwort stellt der Autor das Zürcher Textanalyseraster vor: fünf Grunddimensionen der Textqualität, die aus einem Korpus aus Texten von Abiturienten und Studienanfängern im Rahmen des Zürcher Sprachfähigkeiten-Projekts herausgearbeitet wurden. Diese Dimensionen betreffen Grundgrößen, sprachsystematische Richtigkeit, funktionale Angemessenheit, ästhetische Angemessenheit und inhaltliche Relevanz. Ein Ergebnis der Textanalysen sei die Feststellung einer wichtigen Tendenz in der Sprachentwicklung des 20. Jahrhunderts, die der Autor mit dem aus der Musiktheorie entlehnten Begriff Parlando bezeichnet. In die Textproduktion werden Merkmale der mündlichen Kommunikation allmählich einbezogen. Am Ende seines Beitrags schlägt Sieber vier Hypothesen vor, um diese Entwicklung zu erklären.

In Kapitel 13 „Textverstehen und Textverständlichkeit“ stellt Susanne Göpferich (Universität Gießen) die Frage nach der Verständlichkeit eines Textes. Die Verständlichkeit definiert sie als einen Prozess, in dem was der Leser vom Text mitbekommt mit seinem eigenen Wissen interagiere. Anders gesagt: der Sinn sei nicht im Text, sondern werde vom Leser mitkonstruiert. Göpferich stellt in ihrem Beitrag verschiedene theoretische Modelle aus der Verständlichkeitsforschung vor, bevor sie das Karlsruher Verständlichkeitskonzept näher betrachtet. Die Verständlichkeit eines Textes hänge zuerst von seiner kommunikativen Funktion ab: Diese bestehe aus dem Zweck, den Adressaten und dem Sender. Die Konzeptionsphase berücksichtige dann Textproduktions-Eckdaten wie das mentale Modell der Textsorte oder das Medium. Dazu kommen auch Verständlichkeitsdimensionen wie Prägnanz, Motivation, Simplizität oder Korrektheit, die zu beachten seien.

In Kapitel 14 „Hypertextlinguistik“ beginnt Angelika Storrer (Universität Mannheim) mit einer kurzen Geschichte der Hypertextidee, die schon vor der Computertechnik existierte, selbst wenn der Begriff erst 1972 geprägt wurde. Hypertext sei eine Schreib- und Lesetechnologie, die laut Storrer durch vier Hauptmerkmale kennzeichnet werde: multimodale Kodiertheit, Dynamik, Interaktivität und computervermittelte Kommunikation. Multimodalität bedeute, dass Hypertexte nicht ausschließlich aus Text bestehen. Hypertexte seien dynamisch, insofern als ihre Module kontinuierlich aktualisiert werden können, es seien „Texte-in-Bewegung“ wie Storrer sie nennt. Sie seien außerdem interaktiv, denn der Benutzer könne Hyperlinks anklicken, um alternative Lesewege auszuwählen. Hypertexte werden durch Software verwaltet, was auch Folgen für die Textproduktion und –rezeption habe. All diese Merkmale stellen den traditionellen Textbegriff in Frage, was die Autorin dazu bringt, zwischen monosequenzierten, mehrfachsequenzierten und unsequenzierten Textsorten zu unterscheiden.

In Kapitel 15 „Computerlinguistik und Textanalyse“ von Manfred Stede (Universität Potsdam) handelt es sich um die Auswirkungen der Computerlinguistik auf die Textlinguistik. Am Anfang seines Vortrags erinnert Stede an die Werkzeuge der automatischen Analyse. Entweder werde ein Text als Menge von Wörtern betrachtet: Analysen beruhen dann vor allem auf der Wortfrequenz. Oder Texte werden annotiert und als Ansammlung formaler und linguistischer Merkmale betrachtet. Das Interesse der Computerlinguistik an dem Textbegriff lasse sich aber nicht auf statistische Studien beschränken. Die Auflösung der Anaphora oder die distributionelle Semantik seien Versuche, die Strukturierung von Texten besser zu verstehen. Was die Textsortenforschung angeht, erwähnt der Autor die Move Analysis von Swales, die funktionale Einheiten und ihre Hierarchisierung bestimmen solle. Er fragt sich, ob solche Einheiten automatisch zu erkennen seien. Die Entwicklung von Mehr-Ebenen-Korpora, die auf den Ebenen der Syntax, der Koreferenz, der rhetorischen Strukturen annotiert sind, biete die Möglichkeit, neue Theorien zu erforschen.

Das letzte Kapitel „Textlinguistik und Digitalität: eine Diskussion“ von Eva Martha Eckkrammer (Universität Mannheim) ist das neue Kapitel der aktualisierten zweiten Ausgabe. Hier werden Fragen hinsichtlich der neuen Technologien aufgeworfen und zukünftige Forschungsthemen vorgeschlagen. Die Autorin erklärt, dass die technologischen Entwicklungen noch in Gang seien: vor allem die Kommunikation durch mobile Geräte sei ein weiterer Schritt, der die Art und Weise verändert, wie man Texte erstellt und rezipiert. Der Medienwechsel im Allgemeinen habe mehrere Konsequenzen wie das Abweichen vom linearen Prinzip oder die kontinuierliche Entstehung von Textsorten und Kommunikationsformen. Online-Medien stellen auch die Frage nach der gesicherten Urheberschaft von Text. Deswegen brauche man neue Modelle, um diese Veränderungen zu durchdenken.

EVALUATION – Bewertung des Buches

Das Buch bietet einen gelungenen Überblick über die textlinguistische Forschung. Es existieren bereits zahlreiche Einführungen in die Textlinguistik (Siehe unter anderem Adamzik 2004, Brinker 2005, Sandig 2006, Gansel/Jürgens 2007), aber dieses Studienbuch zeichnet sich durch seine unvergleichbare Perspektivenvielfalt aus, welche sich durch die Entstehungsgeschichte des Sammelbandes erklären lässt. In der Tat hat die Ringvorlesung an der TU Darmstadt im Rahmen des Projekts „Modernes Lehren und Lernen“ anerkannte Sprachwissenschaftlerinnen und Sprachwissenschaftler aus Deutschland und aus der Schweiz versammelt, manche von ihnen haben sogar schon eine eigene Einführung in die Textlinguistik publiziert. Die Herausgabe eines Sammelbandes nach dieser Ringvorlesung ist also besonders sinnvoll, denn sie ermöglicht, verschiedene Richtungen und Aspekte der Textlinguistik in einem Band zusammenzubringen. Selbst wenn das Buch etwas unüblich aus 15 Einführungen besteht, ist es kohärent aufgebaut.

Die Kehrseite der Medaille ist natürlich, dass das Werk gewisse Redundanzen aufweist. So werden die Begriffe Kohäsion und Kohärenz mehrmals definiert (in den Kapiteln 1, 3, 4, 8, 13 und 14). Die Kritik an dem Textkonzept von Beaugrande/Dressler ist in den Kapiteln 1, 8 und 14 zu finden. Der Vorteil ist jedoch, dass jedes Kapitel unabhängig von den anderen gelesen werden kann. Der Nachteil ist aber, dass in diesen wiederholten Konzepten und Beweisführungen manche Unstimmigkeiten auftauchen können. So wird zum Beispiel der Diskurs von Warnke als textübergreifende Struktur (Kapitel 2) definiert, während Koch und Oesterreicher (Kapitel 8) zwei Diskurs/Text Paare unterscheiden, einerseits als Betrachtungsebene und andererseits als sprachliche Einheit. Solche Unstimmigkeiten mögen zwar manche Leser verwirren, sie gehören aber auch zur Perspektivenvielfalt des Buches und machen in diesem Sinne die Relevanz des Sammelbandes aus. Sie werden übrigens in der Einleitung von der Herausgeberin erwähnt. Darüber hinaus wird jedes Kapitel mit besonderen Textbausteinen versehen: Die Textblöcke „Attention!“ heben besondere Fragen oder Probleme hervor, die in der Forschung noch umstritten sind. Diese Textblöcke ermöglichen, verwirrende Unstimmigkeiten zwischen den Autoren zu überwinden und entsprechen authentischen Forschungsdebatten.

Das Buch ist für Studierenden der Germanistik oder der Sprachwissenschaft besonders gut geeignet, insofern als es Einblicke in verschiedene Theorien der Textlinguistik bietet. Man könnte aber bedauern, dass der Großteil der Kapitel sehr theoretisch bleibt und die unterschiedlichen Ansätze nicht jeweils mit konkreten Beispielen erläutert werden, wie es in den Kapiteln 3, 4 und 9 zum Teil der Fall ist. Mit einem Umfang von 409 Seiten versteht man jedoch, dass es eine echte Herausforderung darstellen würde.

Vom Inhalt her bringen die meisten Kapitel nichts Neues, sondern bestehen in der Zusammenfassung von Theorien, die anderswo ausführlich beschrieben wurden. So wird die 2008 von Warnke und Spitzmüller erstellte Methode DIMEAN im Kapitel 2 von Warnke selbst vorgestellt. Kapitel 8 gleicht eher einer Einführung in das Nähe-Distanz-Modell von Koch/Oesterreicher aus dem Jahre 1985 als einer Einführung in die Textlinguistik. Dasselbe gilt für Kapitel 10, das die Formulierungstheorie von Antos aus dem Jahre 1982 zusammenfasst. Solche Kapitel bilden aber eine gute erste Lektüre, für all jene, die sich mit den jeweiligen Theorien vertraut machen möchten. Der Baustein „Kommentierte Literaturtipps“, mit dem jedes Kapitel endet, erweist sich dann von großer Bedeutung.

Eine recht lebendige Richtung der Textlinguistik, die jedoch fehlt, wäre die sprachdidaktische Perspektive, wie sie zum Beispiel von Fandrych/Thurmair (2011) vertreten wird. Ihre Studie bietet eine linguistisch umfassende Beschreibung von zwanzig Textsorten, die die Frage nach dem Textbegriff und den Textsortenklassifikationen stellt. Ihr Ansatz hätte auch bei der zweiten aktualisierten Ausgabe hinzugefügt werden können, insofern als er die kulturelle Dimension von Texten und ihre notwendige Didaktisierung in den Mittelpunkt rückt.

Das Buch lässt sich als eine Art Anthologie lesen, die für Studierende besonders empfehlenswert ist. Die verschiedenen erläuterten Ansätze stellen in der Tat wichtige Etappen in der Geschichte der Textlinguistik dar. Das größte Verdienst dieses Studienbuches ist zweifellos, dass es Brücken zwischen den Theorien der letzten vierzig Jahre und den neuen Forschungsfragen schlägt.

REFERENCES – Literaturverzeichnis

Adamzik, Kirsten. 2004. Textlinguistik. Eine einführende Darstellung. Tübingen: Niemeyer.

Beaugrande, Robert Alain de & Wolfgang Ulrich Dressler. 1981. Einführung in die Textlinguistik. Tübingen: Niemeyer.

Brinker, Klaus. 2005. Linguistische Textanalyse. Eine Einführung in Grundbegriffe und Methoden. Berlin: Erich Schmidt.

Fandrych, Christian & Maria Thurmair. 2011. Textsorten im Deutschen. Tübingen: Stauffenburg Verlag.

Gansel, Christina & Frank Jürgens. 2007. Textlinguistik und Textgrammatik. Eine Einführung. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht.

Hartman, Peter. 1968. Zum Begriff des sprachlichen Zeichens. Zeitschrift für Phonetik, Sprachwissenschaft und Kommunikationsforschung 21. 205-222.

Hartweg, Roland. 1968. Pronomina und Textkonstitution. München: Wilhelm Fink.

Sandig, Barbara. 2006. Textstilistik des Deutschen. Berlin, New-York: De Gruyter.
 
ABOUT THE REVIEWER:
Dominique Dias is associate professor of German linguistics at the University Grenoble-Alpes (France). He is a member of the research group ILCEA4, which deals with foreign cultures and languages. His research interests lie in text linguistics, metadiscourses, text types and german media.